Pohltherapie - Sensomotorische Körpertherapie nach Dr. Pohl

Brustkorbschmerzen und Atemstörungen bei Kindern

Gestern sprach ich mit meiner Nachbarin. Sie unterrichtet Kinder mit anderer Muttersprache in Deutsch.

Erschüttert erzählte sie mir, dass die Kinder bei ihr im Unterricht immer häufiger über Brustkorbschmerzen vorn an den Rippenbögen und über Luftnot und Schwierigkeiten beim Atmen klagen. Und zwar schon 10-, 11-jährige, ältere Kinder noch häufiger.

Ich war erschüttert, weil ich diese Art von Beschwerden in meiner Praxis hauptsächlich von älteren oder zumindest erwachsenen Menschen kenne. Ich dachte immer, die Jungen können lange Zeit so ziemlich alles machen, was sie wollen, ohne akut Beschwerden zu bekommen. Schädliche Gewohnheiten und Haltungen wirkten sich erst viel später aus. Deswegen ist es meist sinnlos an Jugendliche hinzureden, was sie tun und lassen sollen und was nicht. Sie sind nur genervt, weil ihnen ja nichts fehlt. Erst später kommen sie mit Beschwerden.

Jetzt also Kinder mit solchen Beschwerden! Wie kann so etwas kommen?

Die kluge Nachbarin hatte schon ihre Beobachtungen angestellt.

Ihrer Meinung nach gibt es hauptsächlich zwei Gründe:

Zu tiefe Sitze und Stühle  

Die Tische und Stühle, an und auf denen die Kinder sitzen, haben immer die gleiche Höhe, egal, wie groß die Kinder sind. Für viele sind sie zu niedrig. Früher, als das uralte Mobiliar angeschafft wurde, sind die Kinder und Jugendlichen noch kleiner gewesen. In das niedrige Mobiliar mussten sich die Kinder regelrecht hineinkrümmen. Viele saßen bucklig nach vorne gebeugt da. Und zwar beugen sie sich genau am unteren Brustkorb nach vorne und schnüren sich damit die Luft ab.

Nebenbei aufs Handy schauen

Die Kinder haben heute fast alle ein Smartphone und das finden sie meist mindestens genauso interessant wie den Unterricht. Sie üben sich daher im Multitasking, indem sie bei allem immer gleichzeitig auf ihr Handy schauen. Da sie aber wissen, dass das die Lehrer nicht gerne sehen, machen sie es heimlich, indem sie ihr Handy oben auf die Oberschenkel legen, fast unter den Tisch.

Oder sie halten das Handy mit der linken Hand möglichst weit unten und dicht am Körper, während sie mit der rechten Hand zum Beispiel in ihre Hefte oben auf dem Tisch schreiben. Dabei müssen sie sich nach vorne krümmen, der Einschnitt wieder genau an den Rippenbögen, wo sie sich die Luft abklemmen.

Nach einigem Nachdenken ergänzte ich:

Zu-weit-weg-Sitzen

Wahrscheinlich haben die Kinder ihren Stuhl viel zu weit weg von ihrem Tisch gestellt und rücken ihn, wenn sie sich hinsetzen, nicht an den Tisch heran. Wenn man so weit weg sitzt, muss man sich nach vorne krümmen, um am Tisch zu arbeiten. (Den Vorteil hatten die Schulbänke aus alten Zeiten: man musste automatisch nah am Pult sitzen).

Halb-auf-dem-Stuhl-liegen

Eine vor allem bei Jugendlichen beliebte Variante des Zu-weit-weg-Sitzens ist es, auf dem (meist weit entfernten) Stuhl sich zwar ganz vorne auf die Stuhlkante zu setzen, sich dann aber hinten anzulehnen. Dabei liegen die Jugendlichen fast vor dem Schreibtisch und müssen ihre Arme und Schultern nach vorn ausstrecken. Dabei müssen sie sich mit dem oberen Oberkörper nach vorne krumm machen, um - meist am Laptop - zu schreiben oder sich etwas anzuschauen. Manche haben davon schon in jungen Jahren unter der Brust eine Querfalte. Das geht auch wieder auf die Atmung. Und meist auf den Nacken, da man so den Kopf auch nach vorne strecken muss.

Die jüngeren Kinder schauen sich diese coole Haltung oft von den Älteren ab.

Fortsetzen der Schulhaltung in der Freizeit

Wahrscheinlich setzen die Kinder ihre Haltung zu Hause fort, indem sie zum Beispiel ihre Hausaufgaben am (viel zu niedrigen) Couchtisch erledigen. Dabei müssen sie weit weg sitzen, weil sie die Beine nicht unter den Tisch bringen.

Auch die Gewohnheit, das Handy ganz tief zu halten und sich zu ihm herunter zu beugen, kann man mühelos in der Freizeit fortsetzen, ohne es zu merken, zumal man als Kind häufig von Erwachsenen umgeben ist, die es genauso machen.

Lösung: Mehr Bewegung im Unterricht

Meine Nachbarin lässt die Kinder, wenn sie über Brustkorbschmerzen und Atembeschwerden klagen, aufstehen, tief Luft hohen und sich vorne weit machen. Außerdem lässt sie die Kinder im Unterricht viel stehen und gehen (was bei ihr natürlich relativ leicht ist, weil sie kleinere Klassen als im Regelschulbetrieb hat).

Das ist schon was!

Ich zeigte ihr noch ein paar einfache Übungen, die sie mit den Kindern machen kann.

Langfristig Schulmöbel modernisieren!

Außerdem waren wir uns einig, dass man dringend die Schulmöbel den heutigen Verhältnissen anpassen müsste. Vor allem sollten sie in der Höhe individuell einstellbar sein. Und die Schreibfläche sollte wie bei den Uralt-Schulmöbeln schräg sein. Dadurch kann man beim Schreiben und Lesen aufrechter sitzen. Natürlich gibt es manchmal schon Schulen, die über solche Möbel verfügen, aber die meisten wohl noch nicht. Meine Nachbarin bringt mir demnächst einen Katalog des führenden Schulmöbel-Herstellers.

Die Anschaffung brauchbarer Schulmöbel wäre ein großer Schritt in Sachen Gesundheit der nächsten Generation!

Man müsste Lehrerverbände und Elterninitiativen anstiften, sich für Änderungen des Schulmobiliars einzusetzen.

Schwieriger wird es für meine Nachbarin werden, die Kinder vom Handy im Unterricht abzubringen bzw. von ihnen zu fordern, es auf den Tisch zu legen. Oder die Handys vor Unterrichtsbeginn ganz einzusammeln. Ojee!

Da steht ihr sicher noch mancher Kampf bevor.

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